Steuerrecht

Mandantenzeitung 3/2017

Mandantenzeitung 3/2017

Crowdfunding: alternative Finanzierungsmöglichkeit für Start-up-Unternehmen und Risikoanlage für Investoren

1. Zweck und Ablauf

Crowdfunding stellt eine alternative, internetbasierte Finanzierungsform insbesondere für junge Unternehmen dar, die ihren Kapitalbedarf nicht oder nur unzureichend über den klassischen Fremdfinanzierungsweg der Darlehensgewährung durch Kreditinstitute decken können. Aber auch zur Immobilienfinanzierung dient das Instrument des Crowdfundings. Der Ablauf eines Crowdfundings stellt sich so dar, dass eine Crowdinvesting-Plattform über eine Internetseite installiert wird. Die Investitionsmöglichkeit steht den (potenziellen) Investoren deshalb ausschließlich über das Internet zur Verfügung („open call through the internet“). Auf dieser Internetseite wird das Fundingprojekt präsentiert. Die Vermittlung zwischen Investor und Kapitalnehmer erfolgt dann über eine eigens dafür eingerichtete Webplattform („specifically designed platform“). Die fremdkapitalgebenden Investoren können anschließend ab Beginn der Fundingfrist auf dieser Internetseite das Vertragsangebot der kapitalsuchenden Unternehmen annehmen.

2. Verbreitung

Insbesondere in den USA ist Crowdfunding zunehmend ein beliebtes Finanzierungsund Investitionsmodell. Aber auch in Europa wächst der Crowdfunding-Markt – beginnend auf einem niedrigen Niveau – in rasantem Tempo. Europaweit erreicht er ein Volumen von rund 4,6 Mrd. € pro Jahr, wobei das Volumen in Deutschland nur rund 272 Mio. € pro Jahr beträgt.

3. Finanzierungsformen

Crowdfunding-Investitionen zeichnen sich dadurch aus, dass zahlreiche interessierte Investoren (crowd) jeweils in begrenztem Umfang Kapital für das Unternehmen zur Verfügung stellen. Auf diese Weise soll das Investitionsrisiko auf viele Investoren mit kleinen Beträgen verteilt werden. Deshalb auch die Bezeichnung „Schwarmfinanzierung“. Die Finanzierung kann über Fremdkapitalhingabe im Rahmen eines kreditbasierten Crowdfundings erfolgen (Crowdlending), wobei die Geldgeber das Versprechen erhalten, dass ihnen der eingesetzte Betrag mit oder ohne Zinsen zurückgezahlt wird. Beim Crowdinvesting (Equity-based Crowdfunding) erhält der Geldgeber Eigenkapitaltitel und kann auf diese Weise an Gewinnausschüttungen partizipieren bzw. später einen Gewinn aus dem Anteilsverkauf realisieren. Auch Mischformen zwischen Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung sind möglich (z. B. partiarisches Darlehen oder Genussrechte in bestimmter Ausgestaltung).

Komplette Ausgabe als PDF downloaden

31. Mai 2017