Steuerrecht

Mandantenzeitung 5/2016

Mandantenzeitung 5/2016

Attraktivität des Homeoffice für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie rechtliche Rahmenbedingungen

Einleitung

Mitarbeiter, die im Homeoffice arbeiten, sparen durchschnittlich mehr als vier Stunden Zeit pro Woche, die sie ansonsten im Auto, Bus oder Zug verbringen würden. Von den Arbeitnehmern wird vor allem die flexiblere Zeiteinteilung und damit die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschätzt. Mittlerweile ist Heimarbeit auch nicht mehr mit einem negativen Etikett behaftet, denn Mitarbeiter können im Homeoffice mindestens genauso produktiv sein wie an einem Büroarbeitsplatz. Statistisch betrachtet machen Heimarbeiter sogar fast doppelt so viele Überstunden wie Mitarbeiter, die nicht von zuhause aus arbeiten dürfen.

Arbeit im Homeoffice ist deshalb auch eines der zentralen Attraktivitätsmerkmale für Arbeitgeber auf der Suche nach neuen Mitarbeitern geworden. Dabei sind zahlreiche rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten. Nachfolgend soll eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte gegeben werden.

Arbeitsrecht

Ein gesetzlicher Anspruch auf Einrichtung eines häuslichen Arbeitsplatzes existiert im deutschen Recht nicht. Mit der Vereinbarung eines Wohnraumarbeitsplatzes wird im Allgemeinen nur der Ort der Arbeitsleistung festgelegt. Ist eine Versetzung ausgeschlossen, weil die Tätigkeit im Homeoffice vertraglich zugesichert wurde, kommt eine Beendigung der Tätigkeit nur durch eine Änderungskündigung in Betracht.

Die Kosten für die Einrichtung des Homeoffice und die häuslichen Betriebskosten (Miete, Heizung, Strom) trägt im Regelfall der Arbeitgeber. Eine abweichende vertragliche Regeleung kann aber getroffen werden.

Bei der Ausgestaltung des häuslichen Arbeitsplatzes ist zu beachten, dass Arbeitsschutzrechte auch im Homeoffice gelten. Der Arbeitgeber hat eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen festzulegen. Er wird seiner Ermittlungspflicht gerecht, wenn er beim Beschäftigten nachfragt. Auf dessen Angaben darf er vertrauen, denn der Arbeitgeber hat außer bei konkreten Anhaltspunkten zu Verstößen keine Kontrollpflicht vor Ort.

Vielmehr ist es sogar so, dass der Arbeitgeber die Wohnung seines Mitarbeiters nicht ohne Weiteres betreten darf. Der Arbeitgeber kann deshalb auch in vielen Fällen nicht kontrollieren, ob sein Mitarbeiter wirklich die abgesprochenen Stunden arbeitet. In diesem Punkt muss ein intaktes Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bestehen.

Der Arbeitgeber ist formal verpflichtet, die Überstunden des Mitarbeiters aufzuzeichnen. Er kann diese Aufzeichnungspflicht hinsichtlich Umfang und Lage der täglichen Arbeitszeit auf den Arbeitnehmer delegieren und ihn verpflichten, seine Aufzeichnungen auf Verlangen der Aufsichtsbehörde vorzulegen.

Bearbeitet der Arbeitnehmer am häuslichen Arbeitsplatz personenbezogene Daten, ist der Arbeitgeber verpflichtet, technische und organisatorische Maßnahmen, z. B. durch einen Passwortschutz, zu treffen, um die Datensicherheit zu gewährleisten.

Für die Arbeit im Homeoffice gelten die allgemeinen arbeitsrechtlichen Grundsätze der Haftungsbegrenzung. Der Arbeitnehmer haftet nur für Beschädigungen des Eigentums des Arbeitgebers durch Dritte, wenn er seine Verpflichtungen, das Firmeneigentum vor Schaden zu schützen, vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt.

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13. Oktober 2016