Steuerrecht

Mandantenzeitung 5/2019

Mandantenzeitung 5/2019

Bewertung von inhabergeführten Unternehmen

In der Praxis gibt es insbesondere bei steuerlich bedingten Unternehmensbewertungen regelmäßig kontroverse Diskussionen über den richtigen Wert. Gerade im Mittelstand kommt die Problematik hinzu, dass der Unternehmenswert maßgeblich von der Tätigkeit des Firmeninhabers bzw. Gesellschafter- Geschäftsführers bestimmt wird und damit von diesem abhängig ist. So hat sich beispielsweise auch das Finanzgericht (FG) Düsseldorf in einem aktuellen Urteil mit dem Einfluss der Inhaber auf den Unternehmenswert befasst.

Regelungen zur Ermittlung des gemeinen Wertes von Unternehmen

Die Bewertung von Anteilen an Kapitalgesellschaften, die nicht börsengelistet sind, sowie von Personengesellschaften erfolgt zum Marktwert (gemeiner Wert im Sinne von § 9 Abs. 2 BewG). Sofern der gemeine Wert nicht aus Verkäufen unter fremden Dritten innerhalb des vergangenen Jahres vor dem Bewertungsstichtag abgeleitet werden kann, ist er unter Berücksichtigung der Ertragsaussichten der Gesellschaft oder einer anderen anerkannten Methode zu ermitteln. Bei der Unternehmensbewertung anhand der Ertragsaussichten existiert ein gesetzliches Wahlrecht hinsichtlich der anzuwendenden Methode.

Zum einen ist das vereinfachte Ertragswertverfahren (§ 199 ff. BewG) einsetzbar, wenn dieses nicht zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen führt. Alternativ ist eine Ermittlung nach den Grundsätzen des IDW S 1 möglich. Als sogenanntes qualifiziertes Ertragswertverfahren kann ein typisierter Verkehrswert nach IDW S 1 grundsätzlich zur Bestimmung des gemeinen Wertes herangezogen werden. Auch die Finanzverwaltung erkennt mittlerweile Wertermittlungen nach dem IDW S 1 an, wenn das Verfahren sachgerecht angewendet wird.

Berücksichtigung der Inhaberbezogenheit nach IDW S 1

Bei der Ermittlung objektivierter Unternehmenswerte ist auf die übertragbare Ertragskraft des Unternehmens abzustellen. Hierbei wird als Grundsatz unterstellt, dass das bisherige Management im Unternehmen verbleibt oder ein gleichwertiger Ersatz in der Geschäftsführung gefunden wird.

Im Fall der Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) kann diese Bewertungsannahme unter realitätsgetreuen Bedingungen jedoch nicht immer aufrechterhalten werden. Deshalb sieht der IDW S 1 bei inhabergeführten Unternehmen die Eliminierung derjenigen Erfolgsbeiträge vor, die künftig losgelöst vom Inhaber nicht mehr realisiert werden können. Gelangt der Bewerter im Rahmen seiner Analysen zum Ergebnis, dass der Eigentümer mit seinem Wissen, seinem Ruf oder seinen Beziehungen eine Schlüsselgröße für das Unternehmen darstellt, hat zunächst eine Einschätzung über die wahrscheinliche Verweildauer des Eigentümers im Unternehmen zu erfolgen. Während im Verkaufsfall (bzw. dessen Fiktion) eine eindeutige Aussage über die Zugehörigkeit zum Unternehmen getroffen werden kann, ist ansonsten eine Schätzung der Verweildauer unerlässlich.

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27. September 2019
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