Aktuelles

Kenntnisnachweis durch Autodidakt

Kenntnisnachweis durch Autodidakt

Führt eine erfolgreiche Wissensprüfung nur zur Anerkennung einer freiberufsähnlichen Tätigkeit, wenn sie den Rückschluss auf den Kenntnisstand des Steuerpflichtigen in früheren Jahren zulässt?

Controller C absolvierte nach dem Realschulabschluss von 1972 bis 1975 eine Lehre zum Industriekaufmann. Von 1979 bis 2001 arbeitete er – teilweise für Beratungsfirmen – in mehreren weltweit tätigen Konzernen in Deutschland und der Schweiz im Controlling. Gegenstand seiner Tätigkeit waren insbesondere die Neuausrichtung des Controllings im Konzern, die Umsetzung vom kameralistischen zum kaufmännisch orientierten Rechnungswesen sowie von betriebswirtschaftlichen Konzepten des internen Rechnungswesens und des Controllings für einzelne Abteilungen, die Konzeption und Realisierung dezentraler Controllingsysteme, die Durchführung von Ausbildungs- und Trainingsmaßnahmen der Mitarbeiter in diesen Bereichen und die Weiterentwicklung der Firmenstandardsoftware im Bereich des Controllings. Daneben war er von Mitte 1996 bis Mitte 2000 an der staatlichen Hochschule für Berufstätige im Studiengang Betriebswirtschaft immatrikuliert. Er reichte dort jedoch keine schriftlichen Arbeiten ein und legte auch kein Examen ab. C erklärte die in den Jahren 1996 bis 2001 erzielten Einkünfte aus seiner Beratungstätigkeit als Einkünfte aus selbständiger Arbeit. Das Finanzamt ging dagegen von einer gewerblichen Tätigkeit des C aus, erhob dazu ein Sachverständigengutachten und ließ eine Wissensprüfung durchführen. Der Gutachter stellte fest, die von C vorgelegten Projektarbeiten zeigten nur die fachliche Breite des betriebswirtschaftlichen Wissens, ermöglichten aber nicht die Bestimmung seiner theoretischen Tiefe. Erst mit Beendigung der Immatrikulation des C an der staatlichen Hochschule für Berufstätige Mitte 2000 könne davon ausgegangen werden, dass er sich das theoretische Wissen habe in der Tiefe aneignen können, das ein Absolvent der Studienrichtung Betriebswirtschaftslehre nach Ende seines Studiums besitze. Weiterhin stellte der Gutachter aufgrund der erfolgreich abgelegten Wissensprüfung fest, dass C über ausreichende Kenntnisse in sämtlichen Bereichen der Betriebswirtschaftslehre verfüge, dies aber keinen zuverlässigen Rückschluss auf die Tiefe des Wissens in den Jahren 1996 bis 2001 zulasse. Das Finanzamt bekam beim Bundesfinanzhof Recht.

21. Juli 2017