Steuerrecht

Mandantenzeitung 4/2016

Mandantenzeitung 4/2016

Neue Umsatzerlösdefinition und Anhebung der Größenklassen

Einführung

Am 23. Juli 2015 ist das Bilanzrichtlinie- Umsetzungsgesetz (BilRUG) in Kraft getreten und bringt zahlreiche Gesetzesänderungen und eine Vielzahl an Neuerungen mit sich, die insbesondere das Handelsgesetzbuch (HGB) betreffen.

Die Änderungen des HGB sind auf die EU-Rechnungslegungsrichtlinie 2013/34 EU mit dem Ziel, Bürokratieentlastungen und eine weitere europäische Harmonisierung zu erreichen, zurückzuführen. Die Novellierungen sind von Unternehmen grundsätzlich für Geschäftsjahre mit Beginn nach dem 31. Dezember 2015 anzuwenden. Dabei sind zwei für die Unternehmenspraxis besonders relevante Änderungen hervorzuheben:

Größenklassen

Zum einen ist die Anhebung der handelsrechtlichen Größenklassen zu nennen, die für sich genommen Unternehmen insofern entlastet, als gewisse handelsrechtliche Erfordernisse (z. B. Lageberichterstellung sowie Prüfungs- und Offenlegungspflichten) erst ab einer bestimmten Unternehmensgröße erfüllt werden müssen. Die Tabelle stellt die neuen Werte der drei Größenklassenkriterien dar, wobei in Klammern die Werte der alten Fassung genannt werden.

Eine Klassifizierung erfolgt dadurch, dass Unternehmen an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen zwei der drei Schwellenwerte überschreiten oder nicht. Durch die Anhebung werden viele Unternehmen einer kleineren Größenklasse zugeteilt werden als bisher.

Umsatzerlöse

Zum anderen ist die Neudefinition der Umsatzerlöse hervorzuheben, die in ihrer Wirkung einen gegenteiligen Effekt herbeiführt, denn durch die Anpassung haben die Unternehmen tendenziell höhere Umsatzerlöse auszuweisen.

Dadurch werden die angehobenen Größenklassen, bestehend aus Umsatzerlösen, Bilanzsumme und Arbeitnehmerzahl, schneller überschritten, was die Bestrebungen des Gesetzgebers nach Bürokratieentlastung wiederum schwächt.

Während die neuen Größenklassen als Faktum hinzunehmen sind, zeigen sich bei der Neudefinition der Umsatzerlöse ein erhöhter Interpretationsbedarf und Umsetzungsschwierigkeiten.

Der bisherige Begriff der Umsatzerlöse zeichnete sich durch seinen Bezug zur gewöhnlichen Geschäftstätigkeit sowie zu typischen Geschäftsvorfällen aus. Immer dann, wenn dieser Sachzusammenhang nicht gegeben war, konnte von sonstigen betrieblichen Erträgen bzw. außerordentlichen Erträgen ausgegangen werden.

Die Neudefinition enthält nun keinen Bezug mehr zur gewöhnlichen Geschäftstätigkeit oder zu typischen Geschäftsvorfällen eines Unternehmens, sondern umfasst vielmehr alle Ertragssachverhalte, die aus Verkauf, Vermietung, Verpachtung oder Dienstleistungserbringung generiert werden. Hierbei sind alle Erlösschmälerungen in der neuen Fassung des HGB, auch die direkt mit Umsatzerlösen verbundenen Steuern, zu berücksichtigen. Je nach historischer Vorgehensweise kann eine erlösschmälernde Wirkung direkter Steuern (z. B. Tabaksteuern) im Erstanwendungszeitraum der Neudefinition im Vergleich zum Vorjahr zu einer erheblichen Reduzierung der Umsatzerlöse führen.

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1. August 2016